Reformation

Eferding ist durch die Grafen von Schaunburg und nach deren Aussterben durch die Grafen von Starhemberg eine der Hauptstützpunkte der Reformation gewesen.

Ab dem Jahre 1559 predigten evangelische Prädikanten bis zur Gegenreformation in der Stadtpfarrkirche Eferding und im ausgehenden 16. Jahrhundert galt Eferding als die beste evangelische Pfarre im Land ob der Enns. Heute noch findet in Erinnerung daran am Pfingstmontag um 9 Uhr bei Schönwetter jährlich der evangelische Gottesdienst auf der Ruine Schaunburg statt.

Gegenreformation

Ein hundertjähriges evangelisches Glaubensleben wurde durch die auch in Eferding massiv einsetzende Gegenreformation ab 1624 vernichtet. Die Bevölkerung der Stadt litt unter den Kämpfen der Gegenreformation. Die beiden Anführer der Bauernkriege waren Stefan Fadinger und Christoph Zeller.

Nach dem Tod ihres Anführers Stefan Fadinger verschanzten sich die Bauern im Emlinger Holz. Hier fand ein Verzweiflungskampf der Bauern gegen die Soldaten in ihren Schwarzpanzern statt. Viele Bauern kämpften hier um ihre Freiheit.

Am 29.11.1626 war die große Schlacht der schlecht ausgerüsteten Bauern gegen die Kriegsherren im Emlinger Holz zu Ende. 3000 Bauern lagen tot auf der Wallstatt. Viele flüchteten und kamen im sumpfigen Gebiet der Donauauen um.

Die gefangenen Anführer wurden am Hauptplatz in Linz hingerichtet. Darunter war auch der 4jährige Sohn eines Bauern.

Stefan Fadinger, der am Eferdinger Friedhof (damals noch um die Stadtpfarrkirche angelegt) beigesetzt war, wurde von seinen Feinden wieder ausgegraben und im wilden Moos bei Seebach mit Zeller eingescharrt, denn hier war der Platz für verendete Tiere und über seinem Grab wurde ein Galgen errichtet.

Das Reformationspatent verlangte Rückkehr zum römisch-katholischen Glauben oder Auswanderung bis Ostern 1626. Viele, besonders westlich von Eferding wohnende Gemeindeglieder, wanderten aus. Der damalige Graf Erasmus von Starhemberg, der seiner evangelischen Lehre treu geblieben war, verkaufte seine Besitzungen und schloss sich der Auswanderung an. 1648 kehrte er krank in das Schloss Gstöttenau zurück. Dort starb er und wurde in Hellmonsödt i.M. in der Starhemberggruft beigesetzt.

Geschichte von 1559 bis 2020

1559

Evangelische Blütezeit

1559 waren alle Stadtpfarrer evangelische Prediger. Evangelisch war damals auch das Geschlecht der Starhemberger. Die Gegenreformation der Habsburger beendete diese evangelische Blütezeit.

1783

Gründungsjahr

Gründung der evangelische Gemeinde Eferding, wobei 729 Personen unterschrieben hatten.

1793

Kaiser Josef II

Kaiser Josef II

Toleranzedikt Kaiser Josef II. ermöglichte ein offenes Bekenntnis zum evangelischen Glauben.

1830

Erbauung unserer Kirche

1830 wurde die Kirche – heute noch eine der seltenen „Toleranzkirchen“ in ursprünglicher Form – unter Pfarrer Friedrich Traugott Kotschy erbaut. Die Auflagen waren, dass dieses Bethaus nicht das Erscheinungsbild einer Kirche haben durfte. So ergab sich dieser reizvolle Bau, der 3-geschossig, mit hohen Sprossen-Fenstern, ohne Turm und Glockengeläut, mit einem 50 m von der Straße entfernten Eingang errichtet wurde. Unter dieser Amtszeit des erwähnten Pfarrers fiel auch der Neubau eines Pfarr– und eines Schulhauses.

1924

Errichtung eines Schulhauses

1924 wurde ein weiteres Schulhaus, das heutige Gemeindezentrum errichtet.

1938

Einstellung des evangelischen Schulwesens

1938 die politischen Verhältnisse führten zur Einstellung des evangelischen Schulwesens.

1956

Umbau

Aufbau eines kleinen Türmchens mit Geläute. Errichtung einer neuen Orgel mit 18 Registern Gleichstellung der evangelischen mit der katholischen Kirche in Österreich erst seit 1961!

1966

Errichtung eines Pfarrhauses

1966 kam ein neues Pfarrhaus dazu, das im ehemaligen Pfarrgarten, im Stadtgraben, errichtet worden ist.

1999

Orgel

1999 wurde unter großer Beachtung die neue besonders qualitätsvolle neue Orgel der Firma Felsberg/Schweiz eingeweiht.

2002

Außenrenovierung

2002 wurde die Kirche neu eingedeckt, das Türmchen wurde wieder abgebracht und die Kirche in der ursprünglichen Form wieder hergestellt. Die Kreuzsteckung schloss dieses vollendete Werk ab. Sowohl die Anschaffung der wertvollen Orgel als auch die Realisierung der Neueindeckung der Kirche waren nur möglich durch die herzliche Spendenbereitschaft und Mithilfe aller Mitglieder der Pfarrgemeinde.

2011

Innenrenovierung

Bei der großen Innenrenovierung der Kirche wurde versucht, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Im Erdgeschoss wurden Solnhofener-Platten verlegt und die bei der Renovierung aufgefunden Originalplatten aus der Gründungszeit in den Räumen neben und hinter dem Altar verlegt. Das Speisgitter wurde wieder an den ursprünglichen Platz gegeben und die Bänke im Erdgeschoss abgelaugt. Alles Holz wurde wieder nach ursprünglichen Rezepturen eingeölt. Der Altar und die Kanzel zur Gänze renoviert und teilweise neu vergoldet. Die Kirche wurde außen an den Sockeln saniert und die Stufen neu gemacht. Ebenso wurde ein Behinderten gerechter Zugang hofseitig errichtet. Die Zufahrtssäulen wurden neu und etwas schmäler aufgemauert, sodass die Einfahrt dadurch jetzt breiter ist. Es wurde der Hof neu geschottert und die Rose Eden neben der Gedenktafel an der Südseite neben dem Fenster der Fußwaschung gepflanzt. Die Sakristei und das Presbyterium wurden neu mit dem Holz der Eichen aus dem Emlinger Holz eingerichtet. Mehr als 10.000 freiwillige Stunden und viele Sach– und Geldspenden wurden geleistet. Es war das erste Jahr der Vakanz (ohne Pfarrer) aber es war das Jahr der großen freiwilligen Helfer. Und ein Jahr des DANKES an alle!

2020

Aktuelles

Die heutige Pfarrgemeinde erstreckt sich über die politischen Gemeinden Alkoven bis Natternbach, Aschach bis Michaelnbach, Waldkirchen und über Teile von Scharten und St. Marienkirchen. Etwa 1500 Pfarrgemeindemitglieder gehören heute zu unserer Pfarrgemeinde in Eferding, wobei die meisten Evangelischen aus den Gemeinden Alkoven, Eferding, Fraham, Hinzenbach und Pupping stammen.

Pfarrer seit 1783

seit 2011

Johannes Hanek

1996-2010

Hans Hubmer

1963-1996

Hans Wassermann

1945-1959

Hans Eduard Stierl

1944-1963

Ludwig Glaser

1939-1943

Ernst August Gehrke

1910-1939

Johann Jungreithmayer

1884-1910

Gustav Wehrenfennig

1878-1883

Julius Diez

1856-1877

Ferdinand Kühne

1818-1856

Friedrich Traugott Kotschy

1800-1817

Johann Friedrich Höchstetter

1789-1800

Josef Friedrich Gross

1783-1788

Georg Michael Eisenbach

seit 2011

Johannes Hanek

1996-2010

Hans Hubmer

Er wurde 1957 geboren und stammt aus der Pfarrgemeinde Thening. Sein Theologiestudium absolvierte er in Wien, Erlangen und Tübingen.
Sein Vikariat verbrachte er von 1981-1983 in Gallneukirchen. Seine erste Pfarrstelle trat er 1983 in Rutzenmoos an. Ein Jahr später vermählte er sich mit Margit Jungreuthmayer aus Thening. Die zwei Söhne – Andreas und Joachim – wurden während seiner Amtszeit in Rutzenmoos geboren.
Von 1990 bis 1996 leitete er die neu gegründete Pfarrstelle der Krankenhausseelsorge in Linz und war an der Gründung der OÖ. Hospizbewegung beteiligt.
Am 22. September 1996 wurde Mag. Hans Hubmer als neuer Pfarrer unter großer Beteiligung seiner Amtskollegen in sein Amt eingeführt. Gemeinsam mit einem eigens dafür gegründeten
Orgelkomitee unter dem Vorsitz von Hertha Wassermann.
Mag. Hans Hubmer wurde ein großes Anliegen verwirklicht: Zum Reformationsfest 1999 konnte die neue Orgel in der Evangelischen Kirche ihrer Bestimmung übergeben werden. Der unter Pfarrer Glaser aufgesetzte Dachreiter wurde im Rahmen der Dach- und Außenrenovierung im Jahre 2002 entfernt. In seiner Amtszeit wurde das Pfarrhaus außen völlig neu gestaltet, das Gemeindezentrum neu eingedeckt und das alte Schulhaus gänzlich renoviert. Als nächstes steht die Innenrenovierung der Kirche an.
Durch verschiedene neue bzw. neu eingeführte Angebote versucht Pfr. Hubmer das Gemeindeleben zu fördern: Advent- und Passionsandachten, Gottesdienste für Zielgruppen, Themen- und Krabbelgottesdienste. Neben den Aufgaben des Pfarramtes arbeitet er im Rahmen des Roten Kreuzes im Bezirk Eferding im Bereich der Krisenintervention und der ökumenischen Notfallseelsorge mit. In der Diözese ist er der verantwortliche Leiter der ökumenischen Ehevorbereitungskurse und wirkt in letzter Zeit als Vortragender des Evangelischen Bildungswerks Oberösterreich.

1963-1996

Hans Wassermann

Pfarrer Johann Wassermann wurde 1932 in Millstatt/Kärnten geboren. Damit kam nach 80 Jahren wieder ein Kärntner nach Eferding. Er studierte in Berlin Theologie, verbrachte seine Anfangsjahre als Vikar in Scharten und kam im Sommer 1963 nach Eferding. Hier lernte er seine Ehefrau Herta, geborene Nadler (aus der Lehrerfamilie Nadler) kennen, die auch als Organistin und in vielen anderen Bereichen ihre organisatorischen und administrativen Fähigkeiten einsetzte. Mit ihren beiden Töchtern Gudrun und Heide lebte die Familie ab dem Jahre 1967 im neu erbauten Pfarrhaus in der Schaumburgerstraße. Durch seine gute Kommunikationsfähigkeit, die Krankenseelsorge und viele Hausbesuche erwarb sich Pfarrer Wassermann großes Vertrauen in der Pfarrgemeinde.
Ein Anliegen waren ihm die guten ökumenischen Beziehungen zu den katholischen Stellen, aus denen manche persönlichen Freundschaften entstanden. Seine offene Art, Menschen anzusprechen, war an der Entstehung eines speziellen „Eferdinger Klimas“ bei öffentlichen Anlässen beteiligt. Über die Pfarrgemeinde hinaus ist Johann Wassermann in weiten Teilen der Bevölkerung beliebt. Pfarrer Wassermann war auch langjähriger Obmann des Gustav-Adolf-Vereines.

Die Zeit seines Wirkens war eine Epoche reger Bautätigkeit:

  • 1964 wude in einer weiteren Innenrenovierung der Fußboden in der Kirche erneuert, das alte Kirchengestühl durch neue Eichenbänke ersetzt und eine elektrische Bankheizung eingebaut.
  • 1978 – 1980: Außen- und Innenrenovierung der Kirche: Der Außenputz wurde erneuert, ebenfalls die mittlere Fensterreihe.
  • 1982-1983: Neugestaltung des Gemeindezentrums: Gemeindesaal, Teeküche, Nebenräume und Sanitärräume wurden geschaffen, die anlässlich des 200 Jahr-Jubiläums eingeweiht wurden.

Nach 33 jähriger Tätigkeit ging Pfarrer Hans Wassermann am 1. September 1996 in den wohlverdienten Ruhestand.

1945-1959

Hans Eduard Stierl

Gewachsen ist die Gemeinde in den Jahren 1944/ 45. Ein großer Strom von Flüchtlingen kam ins Land. Sie kamen hauptsächlich aus Siebenbürgen und anderen Ländern Südosteuropas.
Nach dem Jahresbericht 1948 zählte die evangelische Pfarrgemeinde A.B. Eferding 2.408 Seelen, und zwar 1.127 Einheimische und mehr als die Hälfte Flüchtlinge, nämlich 1.281. Der Gemeinde wurde ein zweiter Pfarrer zugeteilt. Pfarrer Hans Stierl (1945-1959) kam selbst aus Siebenbürgen und konnte seinen Landsleuten, die auf ihrer Flucht teilweise Schreckliches durchgemacht hatten, in vielen seelsorgerlichen und existenziellen Problemen mit Rat und Verständnis zur Seite stehen.
In Aschach an der Donau und Umgebung wohnten alleine 250 Evangelische, die Hälfte davon Flüchtlinge. Für das Zustandekommen der Predigtstation Aschach bemühte sich Hofrat Dr. Max Doblinger. In mühevoller Kleinarbeit gelang es ihm, die Evangelischen zu erfassen und sie einmal im Monat zum Gottesdienst in der katholischen Friedhofskirche einzuladen.
Predigtstationen waren außerdem in Waizenkirchen, Peuerbach, Engelhartszell, zeitweilig auch in Natternbach entstanden. Die Gottesdienste wurden dort in Schul- und Gasthausräumen gehalten. In Waizenkirchen stand ein Raum im Schloss Weidenholz zur Verfügung, in Peuerbach zu Beginn des Jahres 1946 in der Hauptschule, später als die Flüchtlinge in das Lager Heuberg bei Peuerbach kamen, in einer Baracke. Die beiden Flüchtlingspfarrer Hans Stierl, (Wohnsitz in Eferding) und Ernst Ziegler (in Waizenkirchen) unterstützten Pfarrer Glaser in der Gemeindearbeit.
Im Jahr 1948 entstand im Schloss Hartheim ein Flüchtlingslager mit einer größeren Anzahl Evangelischer (anfangs 68). Durch das Entgegenkommen des katholischen Pfarramtes Alkoven konnten in der Kapelle des Schlosses die Gottesdienste gehalten werden.
Ein großer Teil der Vertriebenen hat später in anderen Gebieten Oberösterreichs und in Deutschland ihre neue Heimat gefunden. Manche wanderten auch nach Amerika aus. So wurden die Predigtstellen in Peuerbach, Aschach und Alkoven nach und nach aufgelassen.

1944-1963

Ludwig Glaser

Pfarrer Dr. Ludwig Glaser wurde am 2. Dezember 1912 in Linz geboren, wo er am Realgymnasium maturierte. Er studierte Philosophie, Germanistik und Theologie in Wien und Erlangen. Als Personalvikar verbrachte er in Bad
Goisern unter Senior Neumayer seine Praxisjahre. 1943 heiratete er Nora Markl aus Innsbruck und bewarb sich ein Jahr später um die Pfarrstelle in Eferding.
Die Hochwasserkatastrophe 1954 stellte auch für die Pfarrgemeinde eine große Herausforderung dar. Viele Gemeindeglieder waren betroffen und wirtschaftlich schwer geschädigt. In der Folge wurde durch das Evangelische Hilfswerk und aus den Nachbargemeinden Scharten, Thening und Wallern mit Lebensmittel-, Kleider- und Geldspenden großzügige Hilfe geleistet.
Als Toleranzbethaus hat die Evangelische Kirche Eferding weder Turm noch Glocken. Der Wunsch nach einem Geläute führte dazu, dass 1956 ein Dachreiter aufgesetzt und ein Tonbandgeläute installiert wurde. Zu einem richtigen Turmbau wird es wohl nie kommen, weil durch die Höhe der Kirche ein entsprechend wuchtiges Bauwerk errichtet werden müsste.
Das Innere der Kirche wurde 1958 neu gestaltet und ausgemalt, von den Pfeilern die Farbe entfernt, um die Holzstruktur wieder sichtbar zu machen.
Pfarrer Ludwig Glaser verließ Eferding im Jahr 1963, wirkte und wohnte bis zu seinem Lebensende in Wien. Er starb 1984 im 71. Lebensjahr.

1939-1943

Ernst August Gehrke

Der Nachfolger von Johann Jungreithmayer war wieder ein Oberösterreicher. Ernst August Gehrke wurde am 26. Jänner 1908 in Gmunden geboren. Nach der Beschreibung durch Zeitzeugen „strahlte er in jugendlicher Kraft auf wie ein Komet; alle Herzen bis in die Reihen der Kirchenfeinde fielen ihm zu.“ Aber dieses Leben verlosch im Krieg. Vor allem bei der Jugend fand er vielen Anklang, seine menschenfreundliche, offene Art ließ ihn in seiner kurzen Amtszeit viele Freunde gewinnen. Die innige Verbundenheit mit seiner Gemeinde zeigt sich auch im regen Briefverkehr zwischen einzelnen Gemeindegliedern und dem Presbyterium während seiner Abwesenheit. Ein großes Anliegen war ihm die Seelsorge, nicht nur für seine Kriegskameraden auf dem Felde, sondern er gedenkt auch in der Ferne seiner Gemeinde.
Im Juni 1942 wurde er zum Militär einberufen. Das Presbyterium hatte sich um Freistellung des Pfarrers vom Heeresdienst mit der Begründung bemüht, …“dass die evangelischen Gemeinden weithin jeder geregelten Seelsorge beraubt sind, während die katholischen Gemeinden nach wie vor sich einer sehr guten seelsorgerischen Betreuung erfreuen dürfen“, (Schreiben an den Oberkirchenrat in Wien vom 12.7.1942). Doch sie erreichten lediglich eine Verschiebung von 4-6 Wochen, weil am 29. Juni die Konfirmation angesetzt war. Am 12. März 1943 fiel Ernst August Gehrke in Rylsk/Russland.
In einem Schreiben vom 20. Juli 1942 tat Pfarrer Gehrke seinen letzten Willen kund, bevor er die Gemeinde verlassen musste.Diesem Wunsch entsprechend hielt Pfarrer Hans Dopplinger aus Gmunden, ehemaliger Lehrer und Freund Gehrkes, zu Christi Himmelfahrt am 3. Juni 1943, die Heldengedächtnis-Predigt über Matthäus 5,6, den Konfirmationsspruch des Heimgegangenen: „Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden“.
„Gemeindeglieder, denen ich es am nötigen seelsorgerischen Ernst und an der rechten Liebe habe fehlen las- sen, bitte ich, mir zu vergeben…“ (zitiert aus : Letzter Wille 1942).

1910-1939

Johann Jungreithmayer

Der Oberösterreicher Johann Jungreithmayer stammte aus Mitterbachham/Thening. Er führte mit glänzender, aber nicht ganz gebändigter Begabung ins 20. Jahrhundert.
Er wurde am 16. Oktober 1884 geboren; nach 5 Monaten als Vikar in Gallneukirchen kam er im Dezember 1910 als Pfarrer nach Eferding. Jungreithmayer hatte als Student an einer Forschungsreise nach Palästina teilnehmen dürfen. Er studierte in Wien, Leipzig und Berlin.
Seine theologische wissenschaftliche Arbeit unter Prof. Friedrich Wilke, Wien, zum Thema „Das Fortleben der Seele nach dem Tode bei den Alten“ brachte ihm am 1.Jänner 1921 seinen theologischen Titel. Ein Familienleben war ihm versagt.
„Das Heiraten hat Hörner, und wenn es keine hat, dann bekommt es welche!“ (Originalzitat Jungreithmayer in Mundart): „ ́s Heiraten hat G ́hirnta, wanns koane hat, dann kriagts oah.“

1884-1910

Gustav Wehrenfennig

Mit Gustav Wehrenfennig aus Gosau, einem Enkel des alten Pfarrerehepaares Kotschy, gab es eine Periode ruhiger und friedlicher Entwicklung. Nach dem Bau des Pfarrhauses 1835, dem Erwerb des Friedhofes 1841 und dem Schulbau 1849 stand die Gemeinde gefestigt da. Zum treuen Dienst der Seelsorger war die Frucht der soliden Arbeit der Schullehrer gekommen, von denen Johann Karl Nadler von 1854 bis 1905 als Mitarbeiter von fünf Pfarren am nachhaltigsten wirkte. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Kirchenmusik.
Im Jahre 1910 trat Wehrenfennig in den Ruhestand. Einige Jahre vor seinem Tod im Jahre 1926 verlor er seine Frau, die eine rührend fleißige Frau und fürsorgliche Mutter war.
Neben dem bestehenden Gustav-Adolf-Verein wurden während der Amtszeit von Gustav Wehrenfennig zwei weitere Vereine gegründet:
„Evangelischer Kirchen-Verschönerungsverein“ 1903/04. Die Mitglieder sammelten für die Kirche und die Erhaltung des Pfarrers und Schullehrers. Gegründet wurde der Verein zur Anschaffung einer neuen Orgel und des Taufsteines.

1878-1883

Julius Diez

Der Pfarrer aus Kärnten trat nach einjähriger Vakanz und administratorischen Vertretungen seinen Dienst in Eferding an.
Diez wurde in Obervellach in Kärnten am 22. September 1838 geboren. Er hatte in Wien und Halle studiert, war Vikar in Feld am See, Pfarrer in Gnesau und in der Ramsau. Nach erfolgter Wahl kam er im September 1878 aus dem Dachsteingebiet in die fruchtbaren Ebenen des Eferdinger Landes. Seine dichterischen und theologischen Fähigkeiten drückte er im Gedichtband „Passionsblumen“ und dem Predigtband „Von hoher Warte“ aus.
Nach dem Tod seines Nachfolgers Traugott Kotschy im Jahre 1882 holten ihn die Ramsauer wieder zurück.

1856-1877

Ferdinand Kühne

Als Kotschy 1856 starb, bemühte sich Kurator Johann Neumüller auf dem Kirchentag in Berlin um den Rektor der Wimmer‘schen Anstalten von Oberschützen in Westungarn (heute Burgenland), Ferdinand Kühne: „Den müssen wir haben“ – und sie bekamen ihn auch. Er wurde am 20. Oktober 1810 in Grünefeld in Preußen geboren, studierte in Berlin, wo er auch ordiniert wurde. Er muss eine sympathische Persönlichkeit gewesen sein, mit hinreißender Redegabe, wissenschaftlich hochgebildet, dabei allgemein verständlich und tief erbaulich.
Der oberösterreichische Schriftsteller Adalbert Stifter hat ihn für die Oberaufsicht über das evangelische Schulwesen mit folgender Beurteilung vorgeschlagen: „Nach meiner unvorgreiflichen Meinung dürfte sich in Ermangelung weltlicher Beamten evangelischen Bekenntnisses zur staatlichen Oberaufsicht über die hierlandigen evangelischen Schulen der gegenwärtige evangelische Pfarrer in Eferding Kühne am besten eignen. Ich habe ihn als einen der Schule sehr kundigen schuleifrigen, menschenfreundlchen, wissenschaftlich und gesellschaftlich gebildeten Mann kennengelernt, der in diesen Eigenschaften fast den meisten seiner hiesigen Amtsbrüder voranstehen dürfte. Linz, 25.Juni 1863“
Kühne gab den Schulkindern ziemlich viel auf, sodass sie sagten, „sie mögens nicht lernen“, worüber sich Kühne entsetzte. Er beruhigte sich erst, als man ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, dass im Dialekt „mögen“ gleichbedeutend mit „vermögen“ ist.
Gelegentlich kreuzte sich seine stattliche und starke Kämpfernatur auch mit dem Sekundanten des Linzer Bischofs Rudigier, Herrn Dr. Sprinzl, in der Tagespost und in einer eigenen Broschüre („Beantwortung der Antwort auf die Kritik der vom Bischofe Rudigier in Linz in der 18. Sitzung des ob der ennsischen Landtages gehaltenen Rede von F.C. Kühne, d.z. Senior und evang. Pfarrer in Efferding, Linz 1866“), als der Bischof im Landtage1866 gefordert hatte, dass die Kinder evangelischer Mütter im Findelhaus getauft werden müssten.
Gemeinsam mit dem Schulmann und Pomologen Johann Nadler (1854-1905) hat sich Kühne auch bleibende Verdienste um die Hebung der Landwirtschaft erworben und regte die Bauern zu praktischen Neuerungen an. Von 1862-1872 war er Senior des Unterlandes und seit 1870 Mitglied des O.Ö. Landesschulrates.
Er starb am 5. September 1877 im Alter von 67 Jahren und wurde wie sein Vorgänger am Friedhof in Eferding beigesetzt.
Bis zur Wiederbesetzung der Pfarrstelle half der aus Bernburg an der Saale stammende Eduard Ulrich aus, der dann als Pfarrer nach Rutzenmoos kam.

1818-1856

Friedrich Traugott Kotschy

Am 4. März 1795 als jüngster Sohn eines Gymnasialdirektors und einer preußischen Predigerstochter in Teschen geboren, studierte er gleich seinen zwei Brüdern Theologie. Mehr als Leipzig zog ihn Berlin an, wo ein neues geistliches Leben erwacht war. Nach beendetem Studium hielt er sich neun Wochen bei Pastor Döring in Elberfeld auf und empfing dort tiefe Eindrücke durch das reiche geistliche Leben in Wuppertal. Er reiste über Oberösterreich nach Hause. Bei Thielisch in Scharten lernte ihn auch der fromme Schulleiter Matthias Trautenberger kennen, der großes Wohlgefallen an dem jungen Mann, an den Gesprächen, die er führte, an den Schriften und Liedern, die er bei sich hatte, fand. Nach Kotschys Abreise hörten die Eferdinger von ihm und ersuchten Trautenberger, ihn zu bitten, hierher zu kommen.
Dem Rat seines Vaters entsprechend – „Der erste Ruf an einen Prediger ist ein Ruf Gottes, man soll ihn nicht aus eigenen Rücksichten zurückweisen“ – nahm Kotschy die Stelle an und predigte hier am 29. Juni 1818 zum ersten Mal.
Eferding blieb seine erste und einzige Anstellung. Den Haushalt führte ihm die Lehrerswitwe Lamprecht. 1820 holte er sich aus seiner Heimat Christine Krieger, die er seit seiner Kindheit kannte, zur Frau und begründete damit neben den Familien Koch und Wehrenfennig die 3. oberösterreichische Pfarrerdynastie.
Von den Kindern Kotschys wurden zwei Söhne, Heinrich und August, Theologen und zwei Töchter heirateten Pfarrer, beide aus der Familie Wehrenfennig, Onkel und Neffen.
In fast 40-jähriger Tätigkeit brachte er seine Gemeinde aus den armseligen Verhältnissen der ersten „Toleranzzeit“ durch Erwerbung von Grund und Boden, dem Bau eines ansehnlichen Bethauses sowie eines neuen Pfarr- und Schulhauses und der Schaffung eines eigenen Friedhofes mit einem prunkvollen Portalbau auf den Stand, der im wesentlichen noch heute besteht und zu dem nur das 1924 erbaute moderne Schulhaus und das neue Pfarrhaus hinzugekommen sind.
Diese Leistungen sind umso bemerkenswerter, da eine schwere Erkrankung des Predigers im Sommer 1826 mit nachfolgenden Erscheinungen einer „geistigen Zerrüttung“ zu vorübergehenden Aushilfen durch Theologiekandidaten führte. Pastor Kotschy starb am 11. Februar 1856. Er wurde auf dem evangelischen Friedhof in Eferding bestattet, wo heute noch eine einfache Grabplatte an ihn erinnert.

1800-1817

Johann Friedrich Höchstetter

Allmählich legten sich in Eferding die Wellen über das Verhalten der vorgesetzten kirchlichen Behörden und nach einiger Zeit gelang es, den am 25. November 1775 in Rothenburg ob der Tauber geborenen Johann Friedrich Bernhard Höchstetter als neuen Kandidaten nach Eferding zu bringen. Nach Beendigung seines Studiums in Tübingen arbeitete er ab August 1800 als Vikar in Gönningen. Von dort kam er Anfang November 1800 in die Nibelungenstadt, wo er am 4. Dezember unter dem „Donner der Geschütze der retierenden Truppen“ in sein Amt eingeführt wurde.


Nach Höchstetters Weggang 1817 blieb Eferding 10 Monate unbesetzt. Im Frühjahr 1818 bekam Thielisch in Scharten Besuch von einem jungen Verwandten aus seiner schlesischen Heimat, dem Kandidaten Friedrich Traugott Kotschy.


Er wird als treuer Seelsorger beschrieben, befreundete sich nicht nur mit Pastor Wehrenfennig, sondern galt auch als Freund des römisch-katholischen Pfarrers Martin Boos in Gallneukirchen und wurde als Berater der Boosianer bekannt. Auf Grund dieser Beziehungen zwischen den Gemeinden war wohl auch Franz Riener vom Taubenbrunnergut in Fraham bei Eferding nach Weikersdorf gezogen. Er wurde 1870 der erste Kurator der neuen Gemeinde
Weikersdorf-Gallneukirchen.


Am 21. August 1817 verließ Höchstetter Eferding, um in seine Heimat zurückzukehren, wo er in Reichenbach (zwischen Stuttgart und Tübingen) als Pfarrer tätig war. Sein Pfarrhaus wurde für so manchen österreichischen Studenten zur Segensstätte, zum Beispiel für Jakob Ernst Koch (Wallern) und Johann Gottlieb Trautenberger (Wels).

1789-1800

Josef Friedrich Gross

1788 bekam Eisenbach in Josef Friedrich Gross einen Landsmann als Nachfolger, der wesensmäßig von sanfterer Natur war.
Bevor Pastor Gross seine Berufung in Eferding annehmen konnte, galt es erst noch einige Gemüter zu beruhigen und Zweifel zu beseitigen. Rein menschliche Regungen und aufgebrachte Gemüter über das harte Schicksal Eisenbachs und seiner Familie, verbunden mit der Tatsache, dass sich Eisenbach im Exil noch immer als Pastor von Eferding be- trachtete und sich um eine Wiedereinsetzung durch den Kaiser bemühte, warfen noch geraume Zeit starke Wellen in der Gemeinde Eferding.
Die Gemeinde wurde aber langsam der Quertreibereien des Schullehrers Ernst Konrad Eisenbach, seines Sohnes, sowie auch der Lesegottesdienste überdrüssig, wünschte eine Versetzung des Lehrers und einen neuen Pastor.
Vorerst verhinderten grimmige Kälte, dann gewaltige Überschwemmungen, die in Bayern viele Brücken zerstörten, die Reise des neuen Pfarrers, so dass er erst am 4. Jänner 1789 in Eferding eintraf.
Kaum war Gross in Eferding, verklagte ihn der Pfleger Iglseder beim Kreisamte. Vorgeworfen wurde ihm, dass er jeden Donnerstag einen öffentlichen Gottesdienst halte, dass der Opferstock im Bethause ohne Aufschrift sei, Zusammenkünfte von mehr als 20 Personen bis 10 und 11Uhr nachts in der Pastoratswohnung gehalten werden und Bücher im Ausland und nicht in Linz bestellt werden würden. All diese Anklagepunkte und Vorwürfe konnte er mit Hilfe von Superintendent Thielisch beim Kreisamte dementieren.
Im Frühjahr 1799, ein Jahr bevor Pastor Gross Eferding wieder verließ, war die große Überschwemmung des Eferdinger Beckens infolge eines durch einen gewaltigen Eisstoß gestauten Hochwassers. An die 50 evangelische Familien waren zu Schaden gekommen.
Im Frühling 1800 verließ Gross Eferding, um einem Rufe nach Möttlingen zu folgen, wo ihm in seiner Heimat eine günstigere Anstellung winkte.

1783-1788

Georg Michael Eisenbach

Magister Eisenbach wurde am 1. Juli 1729 in Tübingen als Sohn eines Buchbinders geboren. Seine Mutter, eine Pfarrerstochter, leitete seine Erziehung. Mit vier Jahren musste er schon die Schule besuchen, in den letzten vier Jahren griechisch, hebräisch und lateinisch lernen, was ihm in seinem väterlichen Geschäfte von Nutzen sein konnte. Nach seinem Theologiestudium wurde er zunächst Pfarrer in Vaihingen und ab 1767 in Wankheim.
In den schriftlichen Quellen wird Eisenbach als hochbegabter, aber wohl auch als ein sehr eigenwilliger und streitbarer Geist beschrieben, der sich mit den auferlegten Beschränkungen nur schwer abfinden konnte. So kam es gleich zu heftigen Kontroversen mit seinen katholischen Kollegen, dem Stadtpfarrer Kiener und Kaplan Wagner.
Als der Kaplan am Sonntag Rogate 1783 heftige Ausfälle gegen Luther gemacht hatte, antwortete ihm Eisenbach mit einem „Gedicht“, das mit den Worten endete:
„Bleib Wagner, immerhin gut katholisch,
Wir sinds, wie Luther auch, bloss aber nach der Schrift.
Nach dieser heißen wir zugleich auch apostolisch, Weil diese reine Lehre selbst Jesus hat gestift. Indessen schimpf nicht mehr, sonst send
ich dir den Bader,
Magst wollen oder nicht, besinn dich vor wie nach,
Ich lass dir, bis Blut läuft, 2,3 und 4 mal Ader, Dies schwört dir jetzt vorher Magister Eisenbach.“!
Auch fühlten sich die katholischen Kirchenbesucher durch den zu lauten Gesang gestört, sodass Stadtpfarrer Kiener
Herrn Magister Eisenbach mitteilen ließ, er solle den evangelischen Gottesdienst erst ansetzen, wenn die letzte katholische Messe zu Ende ist. Eisenbach konterte: „Ich müsste den Gottesdienst erst um 11 Uhr ansetzen, wie sollen die Leute, die ein bis zwei Stunden zu Fuß gehen müssen, zurechtkommen?“.
Eisenbach wurde je länger desto mehr durch seine unentwegte Berufung auf die kaiserlichen Verordnungen, durch seine Kenntnisse der österreichischen Gesetze, sowie durch seine außergewöhnliche Gelehrsamkeit, verbunden mit einer schlagfertigen schriftstellerischen Begabung, den Behörden ein lästiger Ausländer, über dem schon lange das Damoklesschwert der Ausweisung schwebte. Sein zweijähriger Kampf gegen die eigenen kirchlichen Obrigkeiten und den weltlichen Behörden, die er als Totengräber der Toleranz bezeichnete, endete im August 1788. Um Aufsehen zu vermeiden, war Eisenbach für den 14. August, 9 Uhr, nach Linz vorgeladen worden. Er erschien mit zwei Vorstehern seiner Gemeinde, die aber gar nicht zur Verhandlung zugelassen wurden, sie hörten noch eine heftige Auseinandersetzung im Zimmer des Regierungsrates Eybel, der die sofortige Abschaffung über die Grenze veranlasste.
Die Bitte, unterwegs von Frau und Kindern Abschied nehmen zu dürfen, wurde ihm verweigert, vielmehr dem Kutscher der Auftrag gegeben, in Eferding die Pferde in „vollem Schritt laufen zu lassen“.
Um 10 Uhr wurde Eisenbach in Begleitung eines Gerichtsdieners fortgebracht. Die Fahrt ging über den Stadtplatz, wo gerade der Bartholomä-Jahrmarkt abgehalten wurde. Er grüßte noch die meisten ihm bekannten Kaufleute, dann ging die Fahrt weiter an den Toren Eferdings vorüber bis Sigharting, wo abends im Posthaus Nachtquartier bezogen wurde. Unterwegs war es Eisenbach gelungen, einem evangelischen Mann durch „Pantomimen“ beizubringen, seine Familie von seinem Schicksale zu verständigen und sie zu erinnern, den Rest seiner Schriften in Sicherheit zu bringen.
Am 20. August 1788 meldete das Kreisamt Lambach, dass Eisenbach von Linz durch die Polizei in Schärding über die Grenze geschafft worden war. Wiederholt wandte sich Eisenbach an Kaiser Joseph II. mit der Bitte, dafür zu sorgen, dass eine Rückkehr nach Eferding wieder möglich wird. Ein Steckbrief vom 10. September 1788 ist die letzte Kundmachung der Behörden gegen Eisenbach, der aus seinem Exil nicht mehr nach Österreich zurückkehrte. Der erste „Toleranz-Prediger“ Eferdings starb 75 jährig Ende Mai 1803 in Nürnberg.

Kuratoren seit 1988

Fritz Gattermayer

Fritz Gattermayer

seit 2018

Rudolf Lackner

2012-2018

Johann Hochmeir

2006-2011

Fritz Bittenecker

1994-2005
Helmut Angermeier

Helmut Angermeier

1988-1993